Miriam Pucita – Statement zu se non mi vuoi

Meine persönlichen Jugenderinnerungen

Ende der 1970er. Ein elfenbeinfarbener Fiat 125 mit Schweizer Kennzeichen kriecht langsam, aber würdevoll die engen Serpentinen hinauf, die zu einem kleinen Bergdorf in den Hügeln der Toskana führen.
Der Wagen ist vollgestopft mit allem, was für 3 Monate Ferien weitweg von den Annehmlichkeiten der Großstadt gebraucht wird. Und ich, 13 Jahre alt, mit zerzaustem Pferdeschwanz, schaue erwartungsvoll hinter den Koffern auf der Rückbank hervor.
Die Piazza des Dorfes öffnet sich und ich suche unter den Gesichtern der neugierig blickenden Dorfbewohnern nach Bekannten und Freundinnen der vergangenen Sommerferien.

Getragen von diesen Erinnerungen habe ich die Geschichte meines Films se non mi vuoi (Wenn Du mich nicht willst) geschrieben. Damals war ich für meine italienischen Verwandten „die Schweizerin“, so wie Sybille im Film „die Deutsche“ ist. In der Schweiz fühlte und betrachtete ich mich natürlich als Italienerin.
Später, nachdem ich in die Toskana zurückgekehrt war, fühlten sich meine Freundinnen aus der Schweiz verpflichtet mir, der ahnungslosen Italienerin, in bestimmten Dingen des Lebens Nachhilfe zu geben.

se non mi vuoi spielt in einem kleinen Dorf der Toskana. Dort lebt Claudia, frisch verliebt in den Sohn des Bäckers.
Die Liebe ist für Claudia neu und sie stürzt sich mit geschlossenen Augen hinein. Natürlich ist sie überzeugt, etwas Besonderes zu erleben, und beschützt ihre Liebe so gut sie kann.
In meinem Film wollte ich nicht die Aufregung vor dem ersten Kuss erzählen, sondern die schmerzvolle Panik, die Fixierungen und schwarzen Löcher, in die man mit 16 Jahren fällt. Heute erinnern wir uns an die schlimmsten Leiden von damals mit einem mitleidigen Lächeln. Aber ohne diese Erfahrungen würde uns im Leben etwas Wichtiges fehlen.

Miriam Pucitta