Dann musst du ins Heim

Wenn Kinder ein neues Zuhause brauchen

Kevin (10) und sein Bruder Dominik (12) leben seit drei Jahren im Kinderheim „Maria im Tann“ in Aachen. Ihre Eltern kamen zu Hause einfach nicht mehr klar. Nicht mit den Kindern, sondern mit sich selbst und ihren eigenen Problemen. Der Vater war krank, die Mutter fühlte sich völlig überfordert. Beide waren außer Stande, sich verantwortungsvoll um ihre Kinder zu kümmern. Verzweifelt hatte die Mutter das Jugendamt verständigt. Die Mitarbeiter des Jugendamts fanden die Kinder in einer kompleHappyEndings_image29tt zugemüllten Wohnung, die beiden hatten tagelang nicht Richtiges zu essen. Dominik erinnert sich noch an ihre Nahrung über Tage: Toast mit Nutella.

Anfangs fiel ihnen die Eingewöhnung im Heim schwer, mittlerweile wissen sie die Vorzüge ihres neuen Zuhauses zu schätzen. Ihr Tag ist strukturiert, und ihre Erzieher kümmern sich liebevoll und versuchen ihnen das Vertrauen zurückzugeben, das ihnen im Chaos der ersten Jahre zu Hause verloren gegangen ist. Bald ist ihre Erstkommunion, und beide sind schon aufgeregt. Wer von den Verwandten wird kommen?

Auch Eileen (18) ist in „Maria im Tann“ aufgewachsen. Als sie mit 10 Jahren hierher kam, hatte sie schon schlimme Dinge erlebt. Mit Hilfe ihrer Erzieherin Irene gelang es ihr damals, sich einzugewöhnen.

anstreichenDurch Irene hat sie so etwas wie mütterliche Gefühle gespürt. Jetzt, mit 18, muss sie das Kinderheim verlassen. Davor hat Eileen Angst, der Abschied aus der vertrauten Umgebung fällt ihr nicht leicht. Die Erzieher versuchen ihr zu helfen: Eileen darf die Selbstständigkeit erst üben und zieht dafür aus ihrer Gruppe allein in eine kleinen Wohnung im Heim.

Sie muss sich auch noch beruflich orientieren und versucht gerade in einem Kurs an der Volkshochschule ihren Realschulabschluss nachzuholen. So ganz wie die anderen Kinder ist sie nicht, das merkt sie selbst. Oft hat sie Versagensängste, dann „wenn alles von damals wieder hoch kommt“. Aber sie hat sich auch ein Selbstbewusstsein erkämpft. Das wird deutlich, als sie ihren Mitschülern auf dem Schulhof offensiv und ein bisschen provokant die Frage stellt: „Seh‘ ich wie ein Heimkind aus?“


Ein Jahr lang begleitet die „37°“-Dokumentation drei Heimkinder, die versuchen mit dem, was ihnen bei ihren Eltern widerfahren ist, klar zu kommen. Die Erzieher helfen ihnen dabei so gut es geht.

Ob es gelingt, ob Eileen im Leben gut zurechtkommen wird, weiß niemand. Endlich in ihrer eigenen kleinen Wohnung sagt sie mit einem gewissen Stolz: „Das habe ich mir selbst aufgebaut.“ Und mit Blick auf ihren Freund Markus: „Ich habe jetzt eine eigene kleine Familie.“

Kevin und Dominik träumen den Traum von einer normalen Kindheit bei den Eltern. Ein Traum, der nie in Erfüllung gehen wird. Aber vielleicht erwerben sie sich im Heim die Stärke, später einmal mit einer eigenen Familie das nachzuholen, was sie so vermissen.